Veränderung durch Bewusstsein

Aktualisiert: 18. Feb 2018


Die Gegebenheiten verändern sich, wenn wir sie bewusst wahrnehmen.

Das hört sich einfach an, aber oft ist unser Bewusstsein nicht sehr ausgeprägt. Im Verlauf meiner Arbeit mit Menschen habe ich herausgefunden, dass viele persönliche Probleme auf einen Mangel an Bewusstsein hinweisen. Oft sagen Menschen zu mir: „Ich kenne mein Problem, ich weiß nur nicht die Lösung.“ Das stimmt meistens nicht. Viele „glauben“, ihr Problem deshalb zu kennen, weil sie es benennen können. Dieses Etikett, diese Diagnose ist nicht das Kennen des Problems. Wer eine Lösung sucht, sollte zunächst folgende Frage beantworten: Will ich mich wirklich kennenlernen?

Ein Beispiel: S. ist unzufrieden in ihrer Partnerschaft. S. möchte, wie sie sagt, vorankommen, eine Familie gründen, Entscheidungen treffen bezüglich eines Wohnortes. Das zieht berufliche Entscheidungen nach sich. Ihr Partner möchte die Dinge langsamer angehen, alles mehr auf sich zukommen lassen. S. und ihr Partner haben eine Paartherapie gemacht und haben dort gelernt, verständnisvoller und respektvoller zu diskutieren. S. ist immer noch unzufrieden. Sie wünscht sich immer noch, dass ihr Partner mehr Eigeninitiative zeigt. Sie weiß, sie will mehr erreichen als ihr Partner, und das auch schneller als er. Sie sagt: Wahrscheinlich bin ich zu fordernd. (Problem). Wie kann ich das ändern? (Lösung).

Sollte S. sich darüber klar werden, warum sie so ist, wie sie ist? Möglicherweise, aber das ist ein längerer Prozess und bedeutet nicht zwangsläufig, dass damit ihr Problem gelöst ist.

Ich probiere mit ihr etwas anderes. Ich lasse S. wahrnehmen, spüren, wie es sich im gegenwärtigen Moment anfühlt, schneller mehr erreichen zu wollen. Dabei zeigt sich, dass es für sie nicht so leicht ist, ihren momentanen inneren Zustand wahrzunehmen. Sie erzeugt zunächst positiv gestimmte Phantasien, wie die Zukunft sein könnte. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, hat aber nichts mit dem momentanen Zustand von S. zu tun. Durch die positiven Zukunftsbilder vermeidet sie ihre gegenwärtige Wirklichkeit. Das führt zu der Vorstellung, Zukunft könnte schön sein, und zu der Bewertung, jetzt ist es leider nicht so. Wenn sie das häufiger macht (und die meisten Menschen pendeln in Gedanken zwischen Vergangenheit und Zukunft), verliert sie sich selbst und ihre leiblich-seelisch-geistige Wirklichkeit. Das verunsichert, das entfremdet von sich selbst.

Irgendwann gelingt es S., sich innerlich wahrzunehmen: das Atmen, die damit verbundene Bewegung, den Herzschlag usw.; sie spürt einen Druck im Hals. Ich ermutige sie, diesen Druck einfach nur im Körper wahrzunehmen, ohne die Absicht, etwas verändern zu wollen. Das ist ihr zunächst unangenehm. Sie wundert sich, dass ihr „vorankommen Wollen“ mit einem unangenehmen Körpergefühl verbunden ist. Sie bleibt bei der Wahrnehmung, und der Druck verändert sich. Irgendwie ist da noch etwas anders, sagt sie: Weite, Leichtigkeit. Ich empfehle ihr nun, den Druck, die Weite und die Leichtigkeit insgesamt wahrzunehmen. Sie spürt, so bin ich jetzt gerade, und diese einfache Wahrnehmung führt zu Empfindungen von großer Erleichterung und Stabilität. Grund dafür ist, dass sie sich für einen Moment bewusst authentisch wahrgenommen hat, ohne sich zu bewerten. Diese Empfindungen von Leichtigkeit, Stabilität und Sicherheit geben ihr Vertrauen – Vertrauen in sich und das Leben. Mit diesem Vertrauen kann sie nun das langsamere Tempo ihres Partners gelassener sehen. Sein Tempo ist ihr nicht mehr so wichtig, weil sie spürt, dass sie sich auf sich selbst verlassen kann.

Bewusstsein bedeutet: Wachheit, Gewahrsein, Anwesenheit.

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